3 Tage am Stück

Wir sind wieder auf Bali! Es wird viel gedreht, trotz schlechtem Wetter und noch mehr gearbeitet. An uns selbst, an der Arbeit und an der Vision.

Posted by Benjamin Latsko on Wednesday, September 28, 2016

Die ersten 3 Jahre in der Selbstständigkeit

2014 habe ich es mir schon fest vorgenommen „mehr Zeit“ – oder eben überhaupt mal Zeit in meinen eigenen Blog und in meine Webseite zu investieren. Ja, das war 2014 – vor über 24 Monaten. In den zwei Jahren habe ich viele Projekte begonnen und abgeschlossen, Kunden begrüßt und wieder verabschiedet und viel Zeit mit arbeiten und lernen verbracht. Nur eben leider nicht an meiner eigenen Webseite und an meinen eigenen Ideen.

Warum ich das nicht auf die Kette bekommen habe, obwohl ich es mir vorgenommen habe? Keine Ahnung. Ich ziehe die 0815-Antwort: Ich war einfach zu beschäftigt. Zu beschäftigt mit Projekten, Kunden, Weiterentwicklung und mit mir selbst.

Ein großer, unförmig und besonders hässlicher Felsen vor dem ich in dieser Sekunde immer noch sitze hat einen Namen. Dieser Fels trägt den Namen: der Anfang. Es ist wirklich kein schöner Fels – hässliches Gesicht, unförmig und unübersehbar. Dieser ekelhafte Stein steht genau vor einem Weg, der schon seit 2014 meine Aufmerksamkeit hat und ich frage mich seither wo er mich wohl hin bringen würde. Es reizt mich nach der vielen Zeit umso mehr diesen neuen Weg zu gehen, weil jeder neue Schritt – egal in welche Richtung, war in meinem Leben spannend, lehrreich und im nach hinein immer berauschend.

Meine ersten Schritte mit eigenem Gewerbeschein als Freelancer, bzw. selbstständiger Dienstleister kamen aus der Not heraus während dem dualen Studium in einer Event-Agentur – ich war jung und brauchte das Geld. Ich habe schon mit 13 oder 14 Jahren (so genau weiß ich das jetzt auch nicht mehr) eigene Webseiten vollständig programmiert mit eigenen Content Management Systemen – das war damals ein wichtiges Statussymbol: jeder Programmierer, der ein bisschen was von sich hielt und seine Skills zeigen wollte (und das wollte ich natürlich auch), hat sein eigenes CMS programmiert. Und diese ganze online/Internet/Webdesign-Thematik hat sich seit dem wie ein roter Faden durch mein (Berufs-) Leben gezogen.

Während der Schule habe ich damit Kohle verdient.

Während dem Studium habe ich damit Kohle verdient.

Und während meinen ersten Monaten als selbstständiger Dienstleister/Freelancer habe ich damit mein Geld verdient.

Als ich mit Webdesign und diesem Internet-Ding schon aufhören wollte, ist mir die Rechnung von der damaligen Webdesign-Agentur, welche die Webseite der Event-Agentur aufgesetzt hat, in den Schoß gefallen. Und als ich den Rechnungsbetrag gesehen habe, konnte ich meinen Mund nicht halten und habe natürlich eine Revolution angezettelt und gesagt, dass ich das auch alles kann und die Webseite zukünftig selbst programmieren kann zur gleichen Qualität. Ergebnis war, dass ich alle internen Webseiten erstellen & verwalten durfte mit Drupal und Contao/Typo3.

Das hat ziemlich gut funktioniert und mein damaliger Chef fing an meine Leistungen zusätzlich als Agentur-Leistung anzubieten.  Da dachte ich mir in meinem jugendlichen Leichtsinn, dass ich das auch selbst kann zu einem Bruchteil eines Agentursatzes und ich würde damit ordentlich Asche verdienen (für einen Studenten). Und weil ich zu dem Zeitpunkt auch mehr Geld gebraucht habe, als dass mir im Rahmen meiner studentischen Anstellung zur Verfügung stand, habe ich im Januar 2013 im KVR München mein erstes Gewerbe angemeldet und auf twago.de um meine ersten Projekte gepitcht. In guter Agentur-Manier, wie ich es gelernt habe.

Das bedeutet ich bin ab dem Zeitpunkt 3-gleisig gefahren:
1. Studium.
2. Arbeit in der Agentur.
3. Selbstständigkeit.

Meine ersten eigenen Projekte waren relativ überschaubar und lehrreich. Eines meiner ersten Projekte war die Erstellung eines Mini-CRM (Customer Relationship Management Tool) basierend auf Microsoft Excel für ein kleines Inkasso-Büro – ja, die Customer waren keine Kunden, es waren Schuldner und die Relationship war sehr materiel. Darauf folgten Kleinstprojekte für Kindergärten, Verwaltung von Webseiten und die Erstellung von Webseiten für Unternehmer aus dem Bekanntenkreis. Die ersten Rubel sind gerollt und ich habe auch auf Portalen wie käuferportal.de um Projekte geworben und eine Handvoll davon auch bekommen.

Als ich mit meinen 23 Jahren meine ersten eigenen Projekte und Kunden für mich gewann, war für mich recht schnell klar, dass ich es versuchen werde – den Schritt in die Selbstständigkeit. Ich bin kein Bücherwurm, aber zu dem Zeitpunkt habe ich ein Buch verschlungen, das mir eine gute Portion Realitätscheck gegeben hat: The 4-hour Work Week von Tim Ferriss.

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Mehr Informationen zum Buch hier.

Das Buch dreht sich unter der Oberfläche um die Fragen: Wer bin ich und was macht mich aus? Was kann ich wirklich verlieren? und was passiert, wenn ich alles verliere? Die Antworten auf diese Fragen hatte ich auch zu dem Zeitpunkt schon, aber manchmal muss man diese Fragen bewusst gestellt bekommen, um seine Antworten wirklich zu verstehen, damit es klickt und bei mir hat es gewaltig geklickt. Ich habe auch die Ansätze aus dem Buch so gut es ging ausgereizt und alles umgesetzt, was ging: vom Programmierer in Indien, der mir WordPress-Themes programmiert hat, bis zum Grafiker aus Pakistan, der auch sehr gute Arbeit geleistet hat und einer virtuellen persönlichen Assistenz, die sich mit Recherchearbeit vergnügt hat. Aber wirklich funktioniert hat das für mich ehrlich gesagt nicht.

Zu dem Zeitpunkt hat mir auch mein Stiefvater, der selbst Selbstständig ist, bei Karriereplänen zugesprochen, dass die Selbstständigkeit vielleicht eine Option für nach dem Studium sein könnte – wahrscheinlich ohne wirklich damit zu rechnen, dass ich das wirklich machen würde! Obwohl mir ein sicherer Job in der damaligen Agentur mit weitest gehender gestalterischer Freiheit angeboten wurde , habe ich mich für die vermeintliche „Ungewissheit“ entschieden und im Oktober 2013 war es dann so weit, dass ich hauptberuflich als Webdesigner und Online Marketing Freelancer an den Markt ging.

Was konnte denn schon groß passieren? Ich habe ein abgeschlossenes Studium, einige Jahre Arbeitserfahrung und im schlimmsten Fall hätte ich eben im Master weiter studiert, oder mich in einem Supermarkt an eine Kasse gesetzt – zumindest war das meine Standardaussage, wenn mich Freunde, Bekannte und Verwandte danach fragten, ob das Risiko nicht doch etwas zu groß wäre für mich. Im Nachhinein hätte ich einfach „Nein“ auf die Frage antworten sollen, anstatt mit der Standardausrede um die Ecke zu kommen.

Mit der Entscheidung kam relativ schnell eines zum anderen und ehe ich mich versah, durfte ich ein Projekt wieder als Freelance-Projektleiter durchführen, das ich bereits 2 mal in den Jahren zuvor durchführen durfte – Produktinszenierung für MINI bei der Burton-European-Open in Laax 2014 für die Agentur Freibauten GmbH aus Stuttgart. Das kam nicht „irgendwie“ zustande, da war die Sigi. Sigi ist die Geschäftsführerin der eventwürze GmbH und war die treibende Kraft, die mich Manuel, GF von Freibauten empfohlen hat – Danke, Sigi!

Anschließend durfte ich für einen der größten deutschen Musik- & Lifestyle-Verlage Webseiten gestalten und die online Vermarktung voran treiben – Piranha Media GmbH und well media GmbH. Es war für mich etwas sehr besonderes an Musikheften, wie dem JUICE Magazin oder Spex zu arbeiten. Musikmagazine, die schon immer irgendwie ein Teil in meinem Leben waren. Dazu gehörten auch Classic Rock Magazin, Groove, das deutsche Yoga Journal, Veggie Journal, Vegan World und die Yoga Messe Yoga World.

Und das alles passierte im ersten Halbjahr 2014, wenige Monate nach dem Sprung in die Selbstständigkeit. Ich hatte damals sogar schon mein erstes Büro bei Kerstin Dufner, am Reichenbachplatz in München. Alles lief soweit sehr gut, aber es gab da eine Sache, die mich zum einen fasziniert und zum anderen reizt zu testen: das Standort-unabhängige arbeiten.

Theoretisch kann ich die Arbeit, die ich verrichte von überall aus bewerkstelligen. Ich brauche eigentlich nur einen Computer und Internet und vielleicht ein Telefon. Nach dem zweiten Quartal 2014 hat sich deshalb meine Freundin, die zu dem Zeitpunkt noch studierte, um ein Auslandssemester beworben, aus zweierlei Gründen: weil wir weg wollten und ich selbst aufgrund meines Studiums kein Auslandssemester machen konnte.

Deshalb gab es von meiner Seite her nur 4 Vorgaben, die das Auslandssemester erfüllen muss, damit ich mit komme:

  1. durchgehend Sonne
  2. Strand
  3. Meer
  4. eine stabile Internetverbindung

Die Wahl fiel sehr schnell auf Bali und die Entscheidung wurde auch fix getroffen: Wir wandern für 6 Monate mit dem Laptop unter’m Arm aus nach Süd-Ost-Asien.

Meine 30qm Studentenbude war ohnehin zu klein und ein halbes Jahr untervermieten wollte ich auch nicht. Deshalb wurde auch die Wohnung recht emotionslos gekündigt, im August 2014 mein bisschen Hab und Gut bei der Sigi von eventwürze GmbH in Erding eingelagert.

Warum Bali? Warum so weit weg?

Bali, weil es alle 4 Kriterien erfüllt hat und obendrein waren die Lebenshaltungskosten günstig.
So weit weg, weil ich mir etwas eigenes aufbauen wollte, einen Blog, vielleicht einen Shop, vielleicht auch Videos drehen – irgendwas produzieren und kreieren.

Mitte 2014 war auch der Zeitraum in dem ich mich in die Richtung „eigener Blog“ / „etwas eigenes“ orientiert habe, was sich dann doch bis jetzt gezogen hat, weil während ich auf Bali war, habe ich vieles getan: Für Kunden gearbeitet, Themen für meinen Blog geschrieben, Videos aufgenommen und geschnitten und viele Bilder gemacht. Aber am Ende doch nicht mit der Finesse und Substanz, wie ich es haben wollte und ich musste mich schlussendlich doch mehr auf meine Kunden konzentrieren, als dass ich es mir vorgestellt hatte.

Januar 2015 sind wir wieder in München gelandet, die Arbeit ging, wie gehabt weiter und es gab viele spannende Neuentwicklungen – ich hatte viele neue Projekte und Kunden, betreute weiterhin die Musikmagazine und zog in eine Bürogemeinschaft. Rückblickend von August 2016 auf das Jahr 2015 waren die Sprünge im Vergleich zu 2013/2014 nicht so groß – es ging wirklich mehr um das „Überleben“ als Selbstständiger Dienstleister und das „Etablieren“ in der Szene. Von heute aus gesehen, war 2015 echt krass.

2016 ist dafür umso krass besser und krass lehrreich.

Das Jahr 2016 gibt mir die Bestätigung dafür, dass meine Entscheidung es so zu machen, wie ich es gemacht habe, richtig war (für mich!) und heute verstehe ich auch, was ich 2014 nicht verstanden habe:

Der Fels steht mir nicht im Weg! Es ist eigentlich mein Wegweiser für den Weg, den ich gehen will und gehen muss, um mich weiter zu kommen. Und er musste so groß, hässlich und unförmig sein, damit ich den Weg nicht übersehe.

Hat über 24 Monate gedauert. Ich habe es jetzt verstanden. Danke. Los geht’s.